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(Quelle: u.a. auch "Sportalbum der Radwelt, 8.Jahrgang,
1910" Clemens Schürmannwurde am 28.Mai 1888 als Sohn des Bildhauermeisters Carl Hubert Schürmann und Anna Schürmann (geb Anna Laum aus Velen) .in Münster i./Westfalen geboren.
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Schürmann hatte für die Dauer der Saison 1908 einen Vertrag mit der Firma Mars-Werke A.G. in Nürnberg-Doos abgeschlossen, die ihm eine " Mars- Steher- Maschine" leihweise überließ. Aber 1908 war das Jahr, in dem er sich wieder vom Fahren hinter Maschinen abwandte und als erfolgreicher Flieger auf die Bahn zurückkehrte. Nach diesem Comeback als Flieger erreichte er
den Höhepunkt seiner Karriere. Er fuhr mit den seinerzeit
weltbesten Sprintern wie Walter Rütt, Thorwald Ellegaard,
Jacquelin und Major Taylor. Clemens
wurde hinter Thorwald
Ellegaard Vize-Europameister im Sprint und schlug bei der WM 1908 in
Berlin den französischen Meister Edmond Jacquelin in den
Vorläufen. Er gewann das Vorgabefahren über 1000m mit einer
Länge vor Techmer, Conrad, Hourlier und Martinein. Dieses Rennen
empfand er als das wertvollste Rennen
seiner Karriere. Voll Euphorie gewann er am Sonntag darauf
sämtliche Rennen auf seiner Heimatbahn in Münster. Am 23
.August siegte er schließlich im
Am 28.Dezember 1909 startete Clemens gemeinsam mit Willi Tadewald als Team beim Sechstagerennen in Berlin, musste jedoch nach einem Sturz aufgeben. Es blieb sein einziger Einsatz bei einem Sechstagerennen. Im Sport-Album der Radwelt aus dem Jahre 1910 wird Clemens Schürmann gelobt und in einem Vergleich mit einem der besten deutschen Fahrer seiner Zeit geadelt:
1913 nahm Clemens Schürmann für Deutschland an der Rad-WM in Leipzig teil und schlug in den Vorläufen den ehemaligen Weltmeister Friol. Als er seine spätere Frau Clara - geb Schmitz - kennenlernte, musste er ihr versprechen, den gefährlichen Sport bald aufzugeben. 1914 wurde er im Sennelager auf seinen Einsatz im 1. Weltkrieg vorbereitet. Er überlebte des Krieg, erlitt aber einen Kniedurchschuss 1918 gegen Ende des Krieges. Wider Erwarten sollte aber gerade diese Verletzung zur Rückkehr zum geliebten Radsport führen, denn der behandelnde Arzt schlug als Therapie "leichte pedalierende Bewegungen" - also Radfahren - vor. Die Bestimmung nahm ihren Lauf. Clemens Schürmann war zurück auf den Pistenbrettern, die in der Folge sein Leben weiterhin prägen sollten Nach der Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg folgte Clemens den Ratschlägen seines Arztes, - er ging zurück auf die Bahn und fuhr wieder Rennen als Flieger. Er heiratete sein "Clärchen" und im März 1922 wurde ihr erstes Kind, Tochter Julia, geboren. Seit 1908 bis 1922 hatte Clemens
an allen "Großen Preisen" in Paris und an sämtlichen
Weltmeisterschaften teilgenommen, die für deutsche Fahrer
zugänglich waren - und zwar auf eigene Kosten. Am 10.August erhielt Clemens als Resultat vom Verband Deutscher Radrennbahnen die Nachricht über seine Sperre.
In seinem Brief an das Schiedsgereicht des Verbandes Deutscher Radrennbahnen antwortete er am 16. August 1923:
Im Weiteren gibt er seiner
Enttäuschung über die starre und so wenig menschliche
Reaktion des Verbandes in dieser doch für alle so schweren Zeit
zum Ausdruck:
Die Brennabor-Werke, bei denen
Clemens Schürmann seit Dezember 1922 unter Vertrag stand, hatten
Kenntnis über die "Disqualifikation" und erklärten
telegrafisch ihren Rücktritt vom Vertrag mit sofortiger Wirkung
und forderten das überlassene Material (Rennmaschinen) zurück.
Eine schwierige Situation in einer schweren Zeit für Clemens. Er legte den Einspruch ein, hatte er
doch den Verband zuvor bereits am 16.7. um Entbindung von der Teilnahme
an den Meisterschaften gebeten. Die Nachricht des Verbandes, dass
es "im Interesse des allgemeinen Sports" nicht möglich sei,
ihn von der Meisterschaft zu entbinden, erreichte ihn erst am
3.August, als Schürmann mit Stabe und Schrage bereits in
Kopenhagen waren. Die Fahrer waren von der verständigen Zusage des
Verbandes ausgegangen. Der Verband forderte ihn nach Eingang des Einspruchs zunächst auf, den Vorschuss für das schiedsgerichtliche Verfahren von 5 Millionen Mark zu entrichten. Dieser Betrag macht die katastrophale inflationäre Lage Deutschlands und seiner Bürger in dieser Zeit deutlich. Am 15. September 1923 wurde
Clemens Schürmann mit einer Postkarte darüber informiert,
dass seine Disqualifikation mit sofortiger Wirkung aufgehoben sei. Clemens blieb unter Vertrag und durfte wieder Rennen fahren! ------------------------------------------------------------------------------------
"die Sturzkappe an den Nagel hängen" heißt hier: "Abschied vom Steherrennen nehmen". |
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![]() 27. April 1924 |
"DEM MEISTER VOM RHEIN 1924 - Radrennbahn D'dorf Oberkassel."
Die wunderschöne Medaille fand ich im Nachlass meines Vaters. Es handeld sich die Siegermedaille, die mein Großvater nach dem Sieg zur Fliegermeisterschaft in Düsseldorf Oberkassel 1924 gewann. ![]() ![]() |
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![]() Sportlicher Leiter Clemens Schürmann ![]() Clemens Schürmann als Sportlicher Leiter beim Start in der Halle MÜnsterland |
1927 beendete Clemens seine aktive sportliche Karriere, sollte jedoch weiterhin sein Leben lang dem Bahnradsport verbunden bleiben. Bereits 1925 verknüpfte
Clemens seinen studierten Beruf und seine Leidenschaft für den Radsport, verschmolz
technisches Know-How des Architekten und die Erfahrung eines
Weltklassefahrers bei der Planung zum Bau seiner ersten Radrennbahn in
Krefeld. Viele weitere
Bahnen in aller Welt sollten folgen. Der wörtlich "erfahrene" Radrennfahrer ließ diese jahrelangen Erfahrungen seiner Beine in die Finger des Bahnkonstrukteurs einfließen. Er variierte und optimierte seine Bahnen bei jedem neuen Projekt und eine "Schürmannbahn" des deutschen Architekten aus Münster.wurde alsbald weltweit hochwertiges Markenzeichen in Radsportkreisen. Die weltberühmte Vigorelli-Bahn in Mailand, die Clemens 1936 in Italien baute, wurde "La Pista Magica", "Die magische Bahn" genannt und wies mit diesem Namen auf das Geheimnis der Erfolge seiner Radrennbahnen hin: die perfekte Symbiose aus Fahrerpraxis und penibler Konstruktion. Auf der "Pista Magica" wurden alle bisher bestehende Rekorde gebrochen. Wie auf einem Leitstrahl wurden die Fahrer in der Ideallinie über die Pisten, in die Steilkurven hinein und optimal aus ihnen heraus geleitet. In seiner Heimatstadt Münster fungierte Clemens Schürmann bei den Münsterschen Rennen ab 1926 als konsequenter, strenger aber respektierter und geachteter Sportlicher Leiter.1952 erlitt er während eines Sechstagerennens einen Schlaganfall. Als er dann 1953, nun unter Federführung seines Sohnes Herbert, wiederum an einer Radrennbahn in Krefeld plante, wurde sein erster Enkel, Ralph Clemens Alexander Schürmann geboren, der ab 1985 die Tradition fortsetzen sollte. 1957 - ein Jahr nach meiner Geburt, seines Enkels Roland - starb mein Großvater. Noch heute werden "Schürmannbahnen" - nunmehr in der dritten Architektengenaration - u.a.nach diesen seinen "Erfahrungswerten" gebaut. Mittlerweile sind es über 100 Radrennbahnen in der ganzen Welt, in denen der Geist des Radrennfahrers Clemens Schürmanns weiterlebt und weiterleben wird. (siehe auch http:www.velodromes.com) |
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| Radrennbahn-Architekt Clemens Schürmann ![]() Ein wohl typisches Bild, das
unseren Großvater bei der Arbeit um 1951 in der Festhalle zu Frankfurt zeigt.
Planung und Bauleitung in einer Hand garantierte die präzise Ausführung seiner akribischen Planungen. In dieser Tradition sollte auch
sein Sohn Herbert seine Arbeit fortführen, was diesem während
des Baues der Olympiabahnen in Mexico den Beinamen "Don Millimetro"
einbrachte. Clemens Schürmann (links) - bereits nach seinem Schlaganfall - mit seinem Sohn und unserem Vater Herbert Schürmann (Mitte) 1954 bei der Eröffnung des Palazzo dello Sport in Mailand, für den die "Schürmänner" eine Radrennbahn konstruiert hatten. Auch
Clemens Enkel, mein Bruder Ralph, sollte Jahre
später die Tradition fortführen und baut heute
Radsportanlagen und Pisten in der ganzen Welt. |
Mit Krefeld fing
alles an. "Clemens, Du bist doch Rennfahrer und Architekt....... könntest du nicht auch eine Bahn bauen?" - und er konnte In der Auflistung die Bahnen, die unser Großvater Clemens Schürmann bis zu seinem Tod 1957 konstruierte, bzw. später gemeinsam mit seinem Sohn, meinem Vater Herbert Schürmann, baute.
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![]() Preisplakette für das 1001mal-rund- (zum Vergrößern anklicken |
Eine Messingsplakette als Preis für den Sieger des "1001mal rund" (Clemens-Schürmann-Gedächtnisrennen), eines harten Klassikers, später auch während der Münsterschen Sechstagerennen, erinnerte in den Folgejahren an den Sohn der Stadt, der sein Leben voll Passion in den Dienst des Radsport gestellt hatte. |
Nachwort:
Da ich meinen Großvater nie bewußt persönlich
kennenlernen konnte, bin ich dankbar für
alle Informationen, die diejenigen mir geben können, die sich an
ihn erinnern. - Danke